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WIEN 2020

Die Stadt im Zeichen der Corona-Krise. Wahrnehmungen und Begegnungen

 

(Text: Peter Payer, Fotos: Christopher Mavric)

Das Jahr 2020 war ein Krisenjahr, durchgehend geprägt von der Verbreitung des Corona-Virus. Lockdown I im Frühjahr brachte eine nie dagewesene Reduktion des sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens. Für rund 50 Tage war Wien im Ausnahmezustand. Eine der elementarsten Zäsuren der jüngeren Stadtgeschichte. Es folgte relative Entspannung im Sommer, ehe - nach dem Schock eines Terroranschlags - Lockdown II im Herbst erneut die gewohnte Urbanität zum Erliegen brachte. Ziel des Projektes ist es, eine erste Bestandaufnahme vorzunehmen und den mit der Krise verbundenen Wandel des öffentlichen Raumes zu dokumentieren.

Wie veränderte sich die Wahrnehmung von Architektur und Stadtraum in ihren sinnlichen Qualitäten? Welche neuen sozialen Muster waren angesichts des verordneten "Social Distancing" zu beobachten und wie lässt sich der diesbezügliche Lernprozess der StadtbewohnerInnen beschreiben? Die Annäherung an diese Fragen erfolgt in Form eines chronologischen Essays, der die Ereignisse stadthistorisch einordnet und interpretiert, ergänzt durch subtile Stadtbeobachtungen in Form von großformatigen Straßenfotografien, die ein nachhaltig verändertes Wien - im Zentrum genauso wie in der Peripherie - zeigen.

(Buchprojekt: Veröffentlichung im Falter Verlag, März 2021)

 

 

 

 

Nestroydenkmal in der

Praterstraße, März 2020

 

 

 

 

 
 

DAS RINTERZELT UND DIE WIENER ABFALLWIRTSCHAFT

Ein Blick in Vergangenheit und Zukunft

 

(Herausgegeben von Josef Thon und Peter Payer)

Das im Dezember 1981 im 22. Wiener Gemeindebezirk eröffnete Rinterzelt entwickelte sich im Lauf der Jahrzehnte zu einem paradigmatischen Bau für die Wiener Abfallwirtschaft. Das Forschungs- und Dokumentationsprojekt beleuchtet die spektakuläre Baugeschichte (einzigartige Holzdachkonstruktion in Zeltform) und die Genese des Standorts von seinen skandalumwitterten privatwirtschaftlichen Anfängen als Restmüllentsorgungsanlage bis zur Übernahme durch die Stadt Wien und die Umfunktionierung zur modernen Abfallbehandlungsanlage und zum 48er-Zelt. Architektur-, technik-, sozial- und stadthistorische Aspekte werden erstmals auf umfassende Weise aufgearbeitet. 2019/2020 wird das Rinterzelt abgebrochen und durch ein modernes Abfallkompetenzzentrum ersetzt.

(Buchprojekt im Auftrag der Stadt Wien/Magistratsabteilung 48: Veröffentlichung März 2021)

 

 

 

 

 

 

Rinterzelt, 2001

 

 

 

 

 

 
 

WIEN REVISITED

Kulturhistorische Streifzüge

 

Der vierte Band der urbanistischen Erkundungen versammelt Feuilletons, die in den letzten vier Jahren erschienen sind. Im Mittelpunkt stehen erneut bislang wenig beachtete Personen und Alltagsfacetten der Stadt: von Trinkbrunnen, Leuchttürmen und Pollern über die ersten Elektrobusse, Garagen, Warenhäuser und Leuchtreklamen der Kinos bis hin zu Ludwig Hirschfeld und den frühen Feuilletonistinnen von Wien. Ein Special widmet sich den Veränderungen im Zuge der Corona-Krise.

Das diesmalige Leitmotiv stammt von der deutschen Schriftstellerin Monika Held: "Nur auf den Wegen, die du täglich gehst, begreifst du, wo du wirklich bist."

(Buchprojekt: Veröffentlichung im Czernin Verlag, Herbst 2021)

 

 

 

 

 

 

WIG 64

 

 

 

 

 

 

 

 
 

LUDWIG HIRSCHFELD

Biografie eines vergessenen Wiener Schriftstellers und Journalisten

 

Ludwig Hirschfeld (1882-1942) galt als einer der bekanntesten Publizisten seiner Zeit. Einer jüdischen Industriellenfamilie entstammend, war er ab 1906 für die "Neue Freie Presse" tätig, 1918 bis 1926 gab er zudem das neu gegründete Magazin "Die moderne Welt. Illustrierte Halbmonatsschrift für Kunst, Literatur und Mode" heraus. Hunderte Artikel zum Wiener Kultur- und Gesellschaftsleben stammten aus seiner Feder, dazu zahlreiche Novellen, Lustspiele und Operetten-Libretti sowie der vielgelesene Alternativ-Reiseführer "Wien. Was nicht im 'Baedeker' steht". Als Komponist schuf er zudem zahlreiche populäre Schlagermelodien.

Heute weitgehend in Vergessenheit geraten, wird Hirschfelds Leben und Werk erstmals umfassend aufgearbeitet. Im Herbst 2020 wurde bereits eine Auswahl seiner Feuilletons neu herausgegeben, der in Arbeit befindliche Folgeband beschäftigt sich nun ausführlich mit der Biografie und dem vielfältigen Oeuvre des Multitalents.

(Forschungs- und Buchprojekt: 2019-2021)

 

 

 

 

 

Ludwig Hirschfeld, um 1937

 

 

 

 

 

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WIEN BEI NACHT

Zur Konstruktion eines Stadtimages, 1890 bis heute

 

"Das nächtliche Bild Wiens, wie es sich jetzt von den Höhen und Vorhöhen des Kahlengebirges darstellt, ist nachgerade zu einer Sehenswürdigkeit geworden, die es verdienen würde, in den Reisebüchern besonders vermerkt und den Besuchern Wiens zur Besichtigung empfohlen zu werden." (Reinh. E. Petermann, 1908)

Es ware eine völlig neue visuelle Erfahrung, die den Zeitgenossen zur vorvorigen Jahrhundertwende durch die künstliche Beleuchtung der Stadt geboten wurde. Euphorisch sprach man vom "irdischen Sternenglanz" und vom "Lichtermeer", das sich über die ganze Stadt ausbreite. "Wien bei Nacht" zu zeigen, wurde schon bald zu einer erfolgreichen Werbestrategie. Künstliche Effektbeleuchtungen betonten die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Standardisierte Nachtbilder entstanden und wurden durch Ansichtskarten in großer Zahl verbreitet.

Wie veränderte sich der gesellschaftliche Umgang mit der (großstädtischen) Nacht im 20. Jahrhundert? Wie gestaltete sich ihre touristische Vermarktung? Welche Bedeutung hatte und hat die Nacht für das Stadt-Image von Wien? Derartige Fragen stehen im Zentrum des Forschungsprojekts, das erstmals eine Dokumentation und Analyse des Verhältnisses von Großstadt und Nacht vornimmt, wie es sich im populären Massenmedium der Ansichtskarte widerspiegelt. Als Quellengrundlage dient die umfangreiche Sammlung des Autors bestehend aus ca. 1000 Ansichtskarten zum Thema "Wien bei Nacht" aus dem Zeitraum 1890 bis heute.

(Forschungsprojekt: in Arbeit)

 

Vgl. dazu folgende bereits erschienene Artikel von Peter Payer:

Wien bei Nacht. Das Rathaus kam immer vor ... Gespräch mit Hans-Christian Heintschel. In: Perspektiven/Magazin für Stadtgestaltung und Lebensqualität, Heft 1_2/2006, S. 89-92.

Wien bei Nacht. Der Westbahnhof bei wechselnder Beleuchtung. In: Wolfgang Kos, Günter Dinhobl (Hg.): Großer Bahnhof. Wien und die weite Welt. Ausstellungskatalog des Wien Museums. Wien 2006, S. 166-171.

Die Eroberung der Nacht. Urbane Lichtinszenierungen. In: Wolfgang Kos (Hg.): Kampf um die Stadt. Politik, Kunst und Alltag um 1930. Ausstellungskatalog des Wien Museums. Wien 2010, S. 146-153.

Urbanes Lichtermeer. Stadtimage und künstliche Beleuchtung. In: Ute Streitt, Elisabeth Schiller (Hg.): Ist die Welt rund um die Uhr geöffnet? Chancen und Risiken künstlicher Beleuchtung. (= Studien zur Kulturgeschichte in Oberösterreich 33). Linz 2012, S. 54-64.

"Wien bei Nacht, wie es tanzt und lacht". Stadtimage und Erotik, 1840 bis 1930. In: Andreas Brunner u.a. (Hg.): Sex in Wien. Lust, Kontrolle, Ungehorsam. Ausstellungskatalog des Wien Museums. Wien 2016, S. 248-253.

Reizvolle Aussichten. Die Stadt im neuen Licht. In: Peter Payer, Marie Gruber (Hg.): Die Zukunft der Stadt. Ausstellungskatalog des Technischen Museums Wien, Wien 2017, S. 112-119.

 

 

Stefansdom bei Nacht, Ansichtskarte, 1908

 

 

 

 

 

 

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GRAF BOBBY

Repräsentationen einer Wiener Witzfigur

 

"Überall in der Welt werden Witze erfunden und Witze weitererzählt, doch nur in besonders humorgesegneten Städten können Witzfiguren entstehen, Phantasiegestalten, die bisher 'herrenlose' Witze an sich ziehen und zum Erfinden neuer Witze anregen. Eine solche Figur ist Graf Bobby aus Wien! Der Witz dieser Witze besteht in Bobbys überraschenden Denkfehlern. Denn Bobby ist kein gewöhnlicher Dummkopf, sondern ein denkender. Er denk haarscharf am Wesen der Sache vorbei. Trotz seines englischen Vornamens ist er ein echter Wiener: vom Zylinder bis zum Lackschuh. Wienerisch ist sein Tonfall, jene unverkennbare leicht vom Dialekt gefärbte, nasale Sprache, die man 'Schönbrunner Wienerisch' nennt, wienerisch sind auch seine Gutmütigkeit und sein Charme. Darum ist er, trotz seiner Beschränktheit, eine liebenswürdige Erscheinung. Wir lachen über ihn, aber wir lachen ihn nicht aus. Weil wir ihn gern haben."
(Herta Singer)

In den meisten Witzen über Graf Bobby fungieren seine Freunde Graf Rudi und Baron Mucki als Sidekick und Stichwortgeber. Die Figuren wurden vor allem in den 1950 bis 70er Jahren äußerst populär als zahlreiche Anthologien erschienen, Kinofilme (u.a. mit Peter Alexander), Musikkasetten und Schallplatten (u.a. mit Peter Igelhof).

"Du, Mucki", fragt Graf Bobby, "weißt du nix, was man dem Grafen Schmeidl zum Geburtstag schenken könnt'?" "Vielleicht ein Buch?" "Ah, geh - ein Buch hat er schon."

Das Forschungsprojekt untersucht die Genese dieses Wiener Originals und analysiert seine unterschiedlichen Repräsentationen vor dem Hintergrund der jeweiligen zeithistorischen Ereignisse.

(Forschungsprojekt und Ausstellung: in Vorbereitung)

 

Publikation, 1940